Maier’s Monthly - Oktober 2026

Newsletter No 10

Die Kunst, innezuhalten

Und wenn das Leben gerade dann am schönsten ist, wenn es nicht so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben?

Ich glaube, wir alle tragen eine Vorstellung davon in uns, wie unser Leben aussehen sollte. Wie wir sein möchten. Was wir erreichen wollen. Wen wir an unserer Seite haben. Was uns glücklich machen wird.

Und dann kommt das Leben dazwischen.

Es nimmt unerwartete Wendungen. Stellt uns vor Entscheidungen, die wir nie treffen wollten. Schenkt uns Begegnungen, mit denen wir nicht gerechnet haben. Und führt uns manchmal an Orte, die auf keiner unserer inneren Landkarten eingezeichnet waren.

Manches davon tut weh. Anderes macht uns überglücklich. Und vieles verstehen wir erst Jahre später.

Ich finde, darin liegt etwas unglaublich Tröstliches.

Dass nicht alles, was anders kommt, auch falsch sein muss. Dass ein Umweg uns manchmal näher zu uns selbst bringt als der Weg, den wir ursprünglich gehen wollten. Und dass selbst aus schwierigen Kapiteln etwas wachsen kann, das wir heute nicht mehr missen möchten.

Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, sehe ich keinen geraden Weg. Ich sehe Entscheidungen, Zweifel, mutige Schritte und solche, die ich am liebsten rückgängig gemacht hätte.

Aber ich sehe auch, wie aus all dem etwas entstanden ist, das ich niemals hätte planen können.

Mein Leben. Nicht das, das ich mir einmal ausgemalt habe. Sondern das, das tatsächlich meines geworden ist.

In den letzten Wochen habe ich mich auch in meinem Atelier mit diesem Gedanken beschäftigt. Mein neues Werk heisst Somewhere In Between.

Es ist ein Bild mit Ecken und Kanten. Mit Schichten, Brüchen und Spuren. Nichts daran ist vollkommen glatt oder gefällig. Und genau das mag ich.

Denn ich glaube, Schönheit entsteht nicht immer dort, wo alles stimmt.

Sondern oft dort, wo wir aufhören, das Unvollkommene verstecken zu wollen.

Und wenn ich eines aus den vergangenen Jahren gelernt habe, dann dies:

Wir dürfen unser Leben lieben. Auch die Teile davon, die wir uns niemals so ausgesucht hätten.

Somewhere In Between – ein neues Werk aus meinem Atelier.

Ein unerwartetes Stück Sommer

Vielleicht passt es deshalb so gut, dass wir unsere Herbstferien ausgerechnet an einem Ort verbracht haben, den ich selbst gar nicht auf meine Wunschliste gesetzt hätte: Teneriffa.

Für liebe Freunde ist die Insel seit Jahren eine zweite Heimat. Ihnen verdanken wir diese Reise. Und ich hätte nicht gedacht, wie sehr mich dieses Stück Erde mitten im Atlantik überraschen würde.

Teneriffa: Eine Insel voller Gegensätze

Und was soll ich sagen? Ich hatte völlig falsche Vorstellungen von diesem Ort.

Teneriffa ist weit mehr als Sonne, Strand und grosse Ferienhotels. Eine Vulkaninsel mitten im Atlantik, voller Gegensätze und mit einer unglaublichen landschaftlichen Vielfalt.

Im Süden trockene, sonnenverwöhnte Küsten. Im Norden grüne Berge und uralte Lorbeerwälder, die beinahe an einen tropischen Regenwald erinnern. Dazwischen tiefe Schluchten, schwarze Lavafelder, historische Dörfer und der alles überragende Teide, mit 3'715 Metern der höchste Berg Spaniens.

Was mich besonders fasziniert hat, war die Kraft dieser Landschaft. Die unterschiedlichen Gesteinsschichten, die warmen Erdtöne, das tiefe Schwarz der Lava. Eine Natur, die sich immer wieder neu erfunden hat. Die zerstört und gleichzeitig Neues geschaffen hat.

Gerade als Künstlerin habe ich diese Farben und Strukturen regelrecht aufgesogen.

Und dann war da das Meer.

Wir hatten für unsere siebenköpfige Gruppe ein Segelschiff gemietet und waren draussen auf dem Atlantik, als plötzlich Wale auftauchten.

Erlebnisse, die sich kaum in Worte fassen lassen

Diese grossen, faszinierenden Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, ihre ruhigen Bewegungen, dieses scheinbar mühelose Gleiten durch das Wasser. Wir waren nur Gäste in ihrer Welt.

Für einen Augenblick schien alles stillzustehen.

Es war einer jener Momente, die mich daran erinnern, wie wenig es manchmal braucht, um zutiefst berührt zu werden.

Entspannte Strandferien waren es übrigens nicht. Wir waren viel unterwegs, haben unglaublich viel gesehen, sind täglich Tausende Schritte gegangen und haben jeden Tag mit neuen Eindrücken gefüllt.

Und trotzdem habe ich eine Menge mit nach Hause genommen. Nicht nur Sonne, sondern vor allem Farben, Geschichten, Begegnungen und Erinnerungen.

Ein paar dieser Entdeckungen möchte ich heute mit euch teilen.

Der Teide: 3’715 Meter über dem Meer – Spaniens höchster Berg.

Five Favourites

1. Bahia del Duque – eine kleine Welt für sich

Unser Zuhause auf Teneriffa war das wunderschöne Bahia del Duque in Costa Adeje.

Eine weitläufige Hotelanlage, die eher an ein kleines kanarisches Dorf als an ein klassisches Resort erinnert. Mit hübschen Gebäuden, verwinkelten Wegen und einer Gartenlandschaft, die stellenweise einem tropischen Dschungel gleicht.

Zwischen üppigen Pflanzen und hohen Palmen entdeckt man Teiche mit Koi-Fischen, wunderschöne ruhige Ecken und sogar einen schwarzen Schwan, der hier sein Zuhause gefunden hat.

Was ich besonders mochte: Es gibt Unterkünfte für ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Vom Hotelzimmer über grosszügige Suiten bis hin zu privaten Villen für Familien oder grössere Gruppen.

Dazu ein wunderschönes Spa, verschiedene Restaurants und ganz viel Platz, um sich zurückzuziehen.

Die Lage ist ideal. Vom Flughafen Teneriffa Süd sind es je nach Verkehr ungefähr 15 bis 20 Minuten. Und wer wie wir viel von der Insel sehen möchte, findet hier einen hervorragenden Ausgangspunkt für Ausflüge.

Bahia del Duque – Wie ein kleines Dorf, verwunschen und voller Charme.

2. Den Sternen ganz nah

Teneriffa gehört zu den schönsten Orten Europas, um den Sternenhimmel zu beobachten.

Dank der Höhenlage, der oft klaren Luft und der geringen Lichtverschmutzung in den Bergen eröffnet sich nach Sonnenuntergang ein faszinierender Blick ins Universum.

In diesen Tagen war sogar der Saturn besonders gut zu sehen. Ein Planet, der über eine Milliarde Kilometer von uns entfernt ist. Kaum vorstellbar, oder?

Wer noch tiefer in diese faszinierende Welt eintauchen möchte, dem empfehle ich einen Ausflug mit Daniela Mira. Sie ist Astronomin, kennt die Insel hervorragend und bietet individuelle Sternenbeobachtungen, Wanderungen und Ausflüge an. Mit unglaublich viel Wissen, Begeisterung und einer wunderbaren Herzlichkeit.

Die Sternenbeobachtungen sind übrigens nicht nur in der Region des Teide möglich, sondern je nach Bedingungen auch direkt beim Hotel.

Ein Erlebnis, das den Blick auf unsere Welt für einen Moment verändert.

Magisch: Wenn die Sonne untergeht und der Himmel seine Sterne vorbereitet.

3. Der Teide – als würde man auf einem anderen Planeten stehen

Schon die Fahrt durch den Nationalpark ist ein Erlebnis.

Mit jedem Höhenmeter verändert sich die Landschaft. Aus grünen Hängen werden karge Ebenen, aus Bäumen bizarre Felsformationen. Dazwischen Lavafelder in Schwarz, Rostrot, Ocker und Braun.

Man fühlt sich stellenweise wie auf dem Mond.

Die Seilbahn bringt einen auf rund 3'555 Meter. Bei gutem Wetter ist die Aussicht von dort oben spektakulär.

Allerdings sollte man den Ausflug gut planen.

Meine Tipps: Die Gondel unbedingt frühzeitig reservieren und den gebuchten Zeitslot einhalten. Der Aufenthalt an der Bergstation ist bei einem normalen Hin- und Rückfahrtticket auf rund eine Stunde begrenzt.

Und unbedingt warme Kleidung einpacken! Wir hatten unten 26 Grad und oben gerade einmal 7. Auf dieser Höhe kann es empfindlich kalt werden. Auch die dünnere Luft sollte man nicht unterschätzen.

Wer sportlich ist, kann den Teide auch zu Fuss entdecken. Der Gipfel liegt auf 3'715 Metern. Für den letzten Abschnitt ab der Bergstation, den Wanderweg Telesforo Bravo, ist eine separate Bewilligung erforderlich.

Auch bestimmte andere Auf- und Abstiegswege sind bewilligungspflichtig. Wer eine geführte Gipfelwanderung plant, sollte die Genehmigungen frühzeitig mit dem Anbieter klären.

Es lohnt sich. Diese Landschaft ist wirklich einmalig.

Seilbahn und Tickets

Wanderwege und Bewilligungen – Tenerife ON

Karge Landschaft: Wie auf einem anderen Planeten.

4. Garachico – eines der schönsten Dörfer Spaniens

Ein bezaubernder kleiner Küstenort mit historischen Häusern, gepflasterten Gassen, schattigen Plätzen und einer wunderbar entspannten Atmosphäre.

Seit 2021 gehört Garachico offiziell zu den schönsten Dörfern Spaniens.

Was ich besonders faszinierend finde, ist seine Vergangenheit.

Im Jahr 1706 zerstörte ein Vulkanausbruch grosse Teile des einst bedeutenden Hafenortes. Die Lava floss bis ins Meer und veränderte die Küstenlinie für immer.

Ausgerechnet diese Naturgewalt hat etwas geschaffen, das heute zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Garachicos gehört: die natürlichen Meeresschwimmbecken von El Caletón.

Zwischen den dunklen Lavasteinen sammelt sich das Wasser des Atlantiks in kleinen Becken. Bei ruhigem Meer kann man darin baden. Bei starkem Wellengang ist allerdings Vorsicht geboten.

Mein Tipp: Einfach durch die Gassen schlendern, auf der Plaza de la Libertad einen Kaffee trinken, die historischen Häuser bewundern und anschliessend zu den Lavapools spazieren.

Ein Ort, der zeigt, dass auch aus Zerstörung wieder etwas Wunderschönes entstehen kann.

Garachico – ein bezauberndes Küstendorf voller Geschichte und kanarischem Charme.

5. Ein Segelschiff, der Atlantik und die Wale

Und zum Schluss mein persönliches Highlight.

Wir haben ein Segelschiff gemietet und sind hinaus auf den Atlantik gefahren. Kein überfülltes Ausflugsboot, sondern einfach wir, das Meer und die unendliche Weite.

Was viele nicht wissen: Vor der Südwestküste Teneriffas leben das ganze Jahr über Grindwale und Grosse Tümmler. Die tiefen Gewässer bieten ihnen einen idealen Lebensraum.

Und wir hatten das grosse Glück, diese faszinierenden Tiere aus nächster Nähe beobachten zu dürfen.

Es ist ein Unterschied, ob man einen Wal auf einem Bildschirm sieht oder plötzlich draussen auf dem offenen Meer.

Da ist kein Drehbuch. Kein Versprechen, wann und wo er auftauchen wird. Und genau das macht es so besonders.

Diese ruhige, fast majestätische Art, mit der die Tiere durch das Wasser gleiten, werde ich nicht vergessen.

Wer die Möglichkeit hat, dem empfehle ich einen privaten Segeltörn mit einem bewilligten Anbieter, der die Tiere und ihren natürlichen Lebensraum respektiert.

Ein Erlebnis, das sich tief in mein Herz geschrieben hat.

Ein Pilotwal taucht auf. Und die Welt steht für einen Moment still.


…und noch ein paar Teneriffa-Tipps

Für Wasserratten: Der Siam Park in Costa Adeje gehört zu den international höchstbewerteten Wasserparks und wurde mehrfach ausgezeichnet. Ein Paradies für alle, die Wasserrutschen, Wellen und ein bisschen Nervenkitzel lieben.

Für Geniesser: Auch kulinarisch hat Teneriffa viel zu bieten. Von kleinen kanarischen Restaurants mit frischem Fisch und traditionellen Papas arrugadas bis hin zur gehobenen Gastronomie.

Vier Restaurantadressen im Süden Teneriffas, die ich euch besonders ans Herz legen möchte:

  • CHAR – Für alle, die moderne Grillküche lieben.

  • SEEN by Olivier – Stylishes Beachrestaurant, aussergewöhnliche Kreationen und ein wunderschöner Ausblick.

  • Kensei – Raffinierte japanische Küche in elegantem Ambiente.

  • La Torre del Mirador – Beste Paella! Dazu herrliche Aussicht auf den Atlantik, besonders schön zum Sonnenuntergang.

Für Kaffeeliebhaber: Unbedingt einen Barraquito probieren! Die typisch kanarische Kaffeespezialität mit Espresso, gesüsster Kondensmilch, Licor 43, Milchschaum, Zimt und einem Hauch Zitrone wird in wunderschönen Schichten serviert. Fast zu schön zum Trinken – ein kleines Stück Teneriffa im Glas.

Für Naturliebhaber: Unbedingt einen Abstecher in den grünen Norden einplanen. Die uralten Lorbeerwälder des Anaga-Gebirges wirken mit ihren moosbewachsenen Bäumen und Farnen wie ein verwunschener Regenwald.

Für Unterwasserfans: Teneriffa lässt sich auch beim Tauchen entdecken. Vulkanische Felslandschaften, klares Wasser und eine faszinierende Unterwasserwelt machen die Insel zu einem spannenden Tauchrevier.

Teneriffa – auch unter Wasser faszinierend.


Was bleibt

Inzwischen sind wir wieder zu Hause.

Der Regen klopft an die Fensterscheiben meines Ateliers. Draussen werden die Blätter bunt, die Tage kürzer. Drinnen arbeite ich an meinen Bildern, und während ich Farben mische, tauchen immer wieder Erinnerungen an diese Reise auf.

Das Schwarz der Lava. Das Blau des Atlantiks. Die Wärme der Sonne. Die unendliche Weite des Sternenhimmels.

Ich finde es schön, wie manche Erlebnisse nachwirken. Wie sie sich ganz leise in unseren Alltag schleichen und etwas in uns hinterlassen, das weit über den eigentlichen Moment hinausgeht.

Und wie oft es ausgerechnet die ungeplanten Dinge sind, die uns am meisten schenken.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Herbst. Mit offenen Augen für alles, was das Leben für euch bereithält. Auch für das, was ganz anders kommt als gedacht.

Von Herzen,

Anna

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